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Volkshochschulen verabschieden Rita Süssmuth aus dem Präsidentenamt – Symposium zur Bildungsintegration

Rita Süssmuth bei ihrer Verabschiedung.

Aufgaben der Weiterbildung in einer integrativen Flüchtlingspolitik

 Vor 100 geladenen Gästen aus Politik und Wissenschaft, Bildung und Gesellschaft verabschiedete sich der Deutsche Volkshochschul-Verband (DVV) mit einem Symposium von seiner langjährigen Präsidentin Prof. Dr. Rita Süssmuth. Nach 27 Jahren Präsidentschaft hatte Süssmuth zum offiziellen Abschied einen fachlichen Austausch zum Thema "Aufgaben der Weiterbildung in einer integrativen Flüchtlingspolitik" angeregt. Eröffnet wurde die Veranstaltung von ihrer Nachfolgerin im Amt der DVV-Präsidentin, der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka würdigte in ihrer Rede Rita Süssmuths vorausschauenden Einsatz für eine tragfähige Gestaltung der deutschen Einwanderungsgesellschaft mit Bildung als wesentlichem Pfeiler. Die gegenwärtige Rolle der Volkshochschulen sei ohne ihr Wirken nicht denkbar, hob Annegret Kramp-Karrenbauer ebenfalls hervor. Süssmuth habe wesentlich dazu beigetragen, dass sich die Volkshochschulen zu einem der Hauptakteure in Fragen der Bildungsintegration entwickelt hätten. Trotz ihrer Erfahrung und Expertise stelle der vermehrte Zuzug von Flüchtlingen die Volkshochschulen vor große Herausforderungen. "Es wird auf uns ankommen, damit dieser Bereich der Integration gelingt", so die Verbandspräsidentin.

 

Verbesserte Rahmenbedingungen der Integrationsarbeit

Kramp-Karrenbauer sprach sich für verbesserte Rahmenbedingungen der Integrationsarbeit an Volkshochschulen aus, um den Anforderungen an Qualität und Intensität gerecht zu werden. Die Integrationskurse, die bundesweit zu 40 Prozent von Volkshochschulen ausgerichtet werden, bezeichnete sie als Erfolgsmodell, das zugleich dringend reformbedürftig sei. Der DVV werde sich für eine verbesserte Finanzierung einsetzen, um die Abwanderung qualifizierter Lehrkräfte zu verhindern. Dozentinnen und Dozenten müssten angemessen honoriert und die Festanstellungsquote deutlich erhöht werden. "Es geht um die Frage, auf welcher Grundlage wir unsere Gesellschaft in Zukunft gemeinsam gestalten wollen", gab DVV-Präsidentin Kramp-Karrenbauer in den Raum. Bundesministerin Wanka beantwortete die Frage ganz im Sinne Süssmuths: "Integration in der Bildungspolitik ist mehr als Teilhabe. Es ist die konkrete Erfahrung des Einzelnen, zugehörig zu sein." Integration gelinge nicht automatisch. "Wir müssen uns alle anstrengen", appellierte die Ministerin. Sie hob Süssmuths Anspruch hervor, der Bildung als zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche Mitgestaltung verstehe. Volkshochschulen lösten diesen praktisch ein, indem sie Bildung nicht allein unter beruflichen Verwertungsgesichtspunkten vermittelten, sondern mit universeller Bandbreite und als Voraussetzung für persönliche Entfaltung.

Aktive Gestaltung von Integration

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion mahnte Rita Süssmuth eine aktive Gestaltung von Integration an. Derzeit gehe es in der Politik wieder vermehrt darum, Zuwanderung einzudämmen oder abzuwehren, so ihre Kritik. "Bei aller Bedrängnis der jetzigen Zeit dürfen wir in der Diskussion nicht 'Terror' vermischen mit der 'Flucht vor Terror'", betonte sie mit Blick auf die Attentate von Paris und ihre politischen Auswirkungen. Auf dem Podium diskutierte Rita Süssmuth, die frühere Vorsitzende der Unabhängigen Kommission "Zuwanderung" der Bundesregierung, mit langjährigen Weggefährten: Prof. Dr. Klaus J. Bade, der von 2008 bis 2012 Vorsitzender des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration war, sowie mit Prof. Dr. Christine Langenfeld, die seit 2008 Mitglied des Sachverständigenrats ist und dessen Vorsitz seit 2012 führt. "Auch die Mehrheitsgesellschaft braucht Orientierungshilfen, damit Integration gelingen kann", so Bade. Langenfeld sprach sich dafür aus, im Zuge der aktuellen Herausforderungen auch eigenen bürokratischen Ballast über Bord zu werfen, um beispielsweise berufliche Qualifikationen leichter anzuerkennen. Viele Flüchtlinge verfügten nicht über formale Bildungsabschlüsse, brächten aber Berufserfahrung mit. Hier setze sich in der Politik allmählich die Bereitschaft zu mehr Flexibilität durch. Dass kreative Lösungen nötig sind, damit Flüchtlinge mit ihren Qualifikationen Fuß fassen können, unterstrich auch Rita Süssmuth. Sie hob die Rolle der Volkshochschulen als Orte der Begegnung hervor, wo Menschen sich gegenseitig mit ihren Stärken und Potenzialen wahrnehmen könnten. Volkshochschulen hätten die zentrale Aufgabe, sich auch künftig als Institutionen demokratischer Bildung zu bewähren. "Wir können die Integration schaffen, wenn wir sie klug managen und den Menschen Klarheit geben." Im Namen des Deutschen Volkshochschul-Verbandes dankte der Vorsitzende, Dr. Ernst Dieter Rossmann, abschließend Rita Süssmuth für ihr langjähriges Wirken und freute sich über ihre Zusage, als Ehrenpräsidentin den Volkshochschulen verbunden zu bleiben.

Weitere Bilder zum Symposium:

DVV-Verbandspräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer

Bundesministerin für Bildung und Forschung Prof. Dr. Johanna Wanka

Auf dem Podium (v.l.): Prof.Dr. Rita Süssmuth, Moderatorin Shelly Kupferberg, Prof.Dr. Christine Langenfeld, Prof.Dr. Klaus J. Bade

Blick in die Veranstaltung

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