Die Volkshochschulen
Volkshochschulen sind Einrichtungen der öffentlichen Erwachsenenbildung. 2009 gab es in Deutschland 938 VHS und 3.072 regionale Außenstellen in Stadtteilen oder ländlichen Gebieten. 595 VHS sind in kommunaler Trägerschaft organisiert (Städte, Landkreise, Gemeinden oder Zweckverbände), 301 sind eingetragene Vereine, die übrigen haben spezielle Rechtsformen: Sie arbeiten in privater Trägerschaft oder als GmbH. Unabhängig von der Rechtsform arbeiten die Volkshochschulen als kommunale Weiterbildungszentren und tragen zur lokalen Daseinsvorsorge bei.
Galt noch vor ein paar Jahren, dass knapp die Hälfte der Finanzierung durch öffentliche Zuschüsse von Kommunen und Ländern gesichert wurde, ist dieser Anteil inzwischen auf rund 40 Prozent gesunken. Im Gegenzug sind Drittmittel (SGB-III-, Bundes- und EU-Mittel) auf einen Finanzierungsanteil von etwa 20 Prozent angestiegen. Der bundesdurchschnittliche Einnahmeanteil aus Teilnahmegebühren ist mit knapp 40 Prozent relativ stabil.
Das Personal der Volkshochschulen setzt sich zusammen aus 689 Leiterinnen und Leitern, rund 3.400 hauptberuflich pädagogisch Beschäftigten und fast 3.800 Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern. Der überwiegende Teil der Veranstaltungen (674.553 in 2010) wird von annähernd 200.000 Honorarkräften durchgeführt. Mit 15,6 Millionen Unterrichtsstunden und 9,1 Millionen Belegungen ist das Leistungspotenzial der VHS trotz sinkender Personalkapazität im pädagogischen Bereich in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen.
Kennzeichen der VHS-Arbeit ist ihre prinzipielle Offenheit für alle, die durch weltanschauliche und parteipolitische Unabhängigkeit, wohnortnahe Angebote und eine kostengünstige Preisgestaltung gesichert wird. Die große Bandbreite der Angebote in den Programmbereichen: Politik – Gesellschaft – Umwelt, Kultur – Gestalten, Gesundheit, Sprachen, Arbeit – Beruf, Grundbildung – Schulabschlüsse ist ausgerichtet an den Orientierungs-, Bildungs- und Qualifizierungsinteressen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Sie dienen der Entfaltung individueller Potenziale, beruflicher Weiterbildung und Qualifikationsanpassungen und tragen zur gesellschaftlichen Integration bei. Mit Kursangeboten im Bereich Alphabetisierung, Grundbildung und Nachholen von Schulabschlüssen bieten Volkshochschulen auch bildungsbenachteiligten Zielgruppen eine zweite Chance. Seit Inkrafttreten des „Zuwanderungsgesetzes“ arbeiten sie flächendeckend als Träger für Integrationskurse. Zertifikate spielen vor allem in den Fremdsprachen (z.B. die „telc Sprachenzertifikate“) und in der beruflichen Bildung (z.B. „Xpert-Zertifikate“) eine Rolle und tragen dem Interesse an anerkannten Leistungsnachweisen Rechnung.
Auch die VHS selbst haben sich in den letzten Jahren mehrheitlich Zertifizierungsprozesen für ihre Qualitätsentwicklung und -sicherung (sowohl im pädagogischen als auch im Servicebereich) unterzogen und damit auf die veränderte Marktsituation in der Weiterbildung reagiert. Um in diesem sich differenzierenden Weiterbildungsmarkt wettbewerbsfähig agieren zu können, müssen VHS als leistungsfähiges kommunales Bildungszentrum auftreten, erfolgreich Projekte und Aufträge akquirieren und die Notwendigkeit wirtschaftlichen Erfolgs mit ihrem bildungspolitischen Auftrag ausbalancieren.
Programmbereichsübergreifende Angebote (z.B. Junge VHS, Seniorenbildung, Interkulturelles Lernen), zielgruppen- und milieuspezifische sowie maßgeschneiderte (Firmen-) Angebote ergänzen das traditionelle Kursangebot ebenso wie E-Learning- und Blended-Learning-Angebote, die teilweise in die Arbeit neu konzeptionierter „Lernzentren“ integriert werden. VHS nehmen neue Dienstleistungsfunktionen wahr, etwa in der Lernberatung oder als Initiatoren und Moderatoren lokaler Netzwerke und Kooperationen (z.B. im Programm „Lernende Regionen“). Innerhalb der „kommunalen Bildungslandschaften“ wollen VHS ihren Beitrag zu einem kohärenten Bildungs- und Übergangsmanagement leisten.
In der zum XIII. Volkshochschultag vorgelegten neuen Standortbestimmung wird die Arbeit der Volkshochschulen genau beschrieben und reflektiert. Auf Grundlage eines Textentwurfs von Prof. Dr. Erhard Schlutz, einem ausgewiesenen Kenner und Praktiker der Erwachsenenbildung, beteiligten sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Volkshochschulen und ihrer 16 Landesverbände an der rund 60 Seiten starken Publikation und brachten ihre Expertise ein.
„Die Volkshochschule - Bildung in öffentlicher Verantwortung" kann gegen eine Schutzgebühr von fünf Euro formlos per E-Mail bestellt werden.
Viele erläuternde Informationen zu DVV und VHS, die Sie auf dieser Website finden, sind übrigens wörtlich übernommene Passagen der Schrift.

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